19.8.2017 : 18:31

Bevor der Therapiebegleithund zum Einsatz kommt

sollten folgende Punkte geregelt sein:

1. Das in der Logopädie tätige Therapiebegleithundteam besteht aus einem Menschen

mit logopädischer Berufsausbildung und seinem Hund, die zusammen

eine beim Berufsverband anerkannte Ausbildung zum Therapiebegleithundteam

absolviert haben. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Hund seinem

Wesen und Gehorsam nach für die Arbeit geeignet ist, dass beim Menschen das

theoretische Wissen vorhanden ist und dass der Hund in der Arbeit orientiert an

Förderzielen eingesetzt wird. Gegebenenfalls sollte eine Bescheinigung darüber

vorliegen, dass sich das Therapiebegleithundteam in Ausbildung befindet. Tiergestütztes

Arbeiten ist nur dem vom TBD anerkannten und geprüftenTherapiebegleithundteam

erlaubt, da eine enge und vertrauensvolle Bindung zwischen

dem Menschen und seinem Hund die Grundlage dieser Arbeit ist.

2. Vor dem Einsatz des Hundes an einem neuen Arbeitsplatz, sollte eine adäquate

Eingewöhnung des Hundes stattfinden.

3. Das schriftliche Einverständnis der Klinik-/ Praxisleitung zum Einsatz des Hundes

muss vorliegen. Es muß abgeklärt sein, dass alle Beteiligten (Wohnbereichsleitung,

Pflegeteam, Vorgesetzte, Kollegen, hauswirtschaftliche Mitarbeiter,

Patienten, Eltern...) über das Team informiert, auf den Hund vorbereitet

und mit dem Einsatz einverstanden sind. . Und eine Einverständniserklärung

des Patienten oder seines gesetzlichen Vertreters, Betreuers oder nächsten

Angehörigen sollte vorliegen. Bei Bewerbungsgesprächen von Logopäden oder

Logopädieschülern und Praktikanten wird darauf hingewiesen, dass eine Hundehaarallergie

oder Angst vor Hunden ein Grund sein kann nicht in der Praxis/

Abteilung zu arbeiten

4. Es muß abgeklärt werden, ob Allergien beim Patienten bekannt sind. Im Zweifelsfall

oder bei leichteren Allergien kann eine Unbedenklichkeitsbescheinigung

vom Hausarzt vorzulegen sein. Es muß abgeklärt werden, ob Ängste oder Phobien

bekannt sind.

Ein positiver Zugang vom Klienten zum Hund ist vorhanden. 5. Ist dies nicht der

Fall, sollte der Hund nur eingesetzt werden, wenn die Bearbeitung der Angst

oder Abneigung vor dem Hund, Bestandteil des Therapiebegleithundeinsatzes

ist.

6. Bei infektkranken oder keimbelasteten Patienten sollte der Hund nicht eingesetzt

werden.

7. Die Tierhalterhaftpflicht und die Berufshaftpflicht sowie die Gemeindeunfallversicherung

muss darüber informiert sein, dass ein Therapiebegleithund mitgeführt

wird und hat den Einsatz schriftlich bestätigt.

8. Bei der Auswahl eines Hundes für die Arbeit ist darauf zu achten, dass dieser

vorraussichtlich Gesund, und von Charakter, Wesen und Fell für den geplanten

Einsatz geeignet ist. Der Hund sollte wenn möglich eine nachvollziebare gute

Sozialisation, und von Geburt an engen Kontakt zu Menschen gehabt haben. Es

ist darauf zu achten, dass der Hund bei guter Gesundheit ist und einen angemessenen

Ausgleich von der Arbeit hat. Besonders in Praxen oder Einrichtungen

mit mehreren Hunden ist abzuklären, ob läufige Hündinnen zum Arbeitseinsatz

kommen sollten.

9. Der Hund ist Eigentum eines Mitarbeiters der für artgerechte Haltung im Rahmen

des Tierschutzes, also das Wohlergehen des Hundes hauptverantwortlich

ist. Auf keinen Fall sollte der Hund Eigentum der Praxis/ Abteilung sein.

10. Es sollten sowohl mit Mitarbeitern als auch mit Patienten, abhängig von Alter

und Entwicklungsstand, klare Regeln für den Umgang mit dem Hund besprochen

werden.

11. Die Anwesenheit eines Hundes sollte im Eingangsbereich für alle die die Praxis

oder die Einrichtung betreten deutlich sichtbar gemacht werden.

12. Die Kostenübernahme für alle evl. anfallenden Kosten sollte im Vorfeld geklärt

sein. Sichergestellt werden muß die Versorgung des Hundes auch über den Einsatz

als Therapiebegleithund hinaus.

13. Vor dem Einsatz des Hundes sollte ein Termin festgelegt werden an dem eine

erste Evaluation stattfindet, die Erprobungsphase endet und eine Diskussion

mit allen Beteiligten über den weitern Einsatz geführt wird.

Fortlaufend sollten folgende Punkte immer

nachgewiesen werden können:

1. Im Wartezimmer/ der Abteilung hängt das Zertifikat der bestandenen Therapiebegleithundprüfung. Jeder Patient, der den Hund noch nicht kennt, sollte die Möglichkeit haben, sich z.B. im Wartezimmer eine beschriftete Fotowand

anzuschauen. Diese stellt das Therapiebegleithundteam im Einsatz vor (z.B.

Parcours mit Kindern, Ablecken von Leberwurst/ Frischkäse von Körperteilen usw.). Zusätzlich besteht die Möglichkeit einen Bildband über den Einsatz anzulegen. Dieser kann dann gemeinsam mit dem Therapeut angeschaut werden,

um über die Arbeit mit dem Therapiebegleithund aufzuklären

2. Bei jeder neuen Behandlungseinheit wird erneut abgefragt, ob es in Ordnung ist, dass der Therapiebegleithund anwesend ist bzw. eingesetzt wird. 3. Die gesondert aufgeführten, möglichen Leitlinien im Bereich Hygiene werden

im Bezug auf Dokumentation zum Tier, Zugangsbeschränkungen für Tiere und

allgemeine Hygienemaßnahmen eingehalten. 4. Der Hund bekommt artgerechtes Futter und es stehen ihm ständig frisch gefüllte Wassernäpfe in verschiedenen Räumen zur Verfügung.

5. Für den Hund wird ein Rückzugsort eingerichtet, an dem er nicht gestört werden

darf. Dies ist besonders bei Hunden zu beachten, die sich über mehrere Stunden in der Einrichtung aufhalten. Aber auch Hunden die nur punktuell

zugegen sind, sollte ein solcher Ort

(Hundebox, Decke, etc.) angeboten werden.

6. Der Hund befindet sich nie ohne Aufsicht seines Teampartners zusammen mit

einem Patienten, auch nicht für ganz kurze Zeit. Äußert ein Patient den Wunsch,

dass der Therapiebegleithund nicht bei der Behandlungseinheit dabei sein soll,

befindet er sich in dieser Zeit im Büro der Praxis/ Abteilung. Zu dem Büro haben

nur Mitarbeiter Zugang. Alle in der Praxis/ Abteilung nichttätigen haben

nur Zugang in Absprache und bei vorherigem Anklopfen. Ansich darf sich der

Hund frei in allen Bereichen der Einrichtung, nicht aber ohne Aufsicht bewegen,

sofern der Therapiebegleithundführer dies möchte (Ausnahme ist aus hygienischen

Gründen die Küche).

7. Zeigt der Hund Anzeichen von Erkrankungen (z.B. Infektionen) oder ist verhaltensauffällig,

d.h. er zeigt anderes Verhalten als üblich, wird er vorübergehend

nicht bei Patienten eingesetzt und es wird abgeklärt, worauf das Verhalten des

Hundes zurückgeführt werden könnte.

8. Jeder Einsatz des Therapiebegleithundes findet unter Beachtung des Tierschutzes

statt, d.h. auch, dass Stresssymptome oder Überforderung beim Hund beachtet

werden und entsprechend auf diese reagiert wird, dass Ruhephasen

beachtet werden, usw. Der Hund sollte nicht instrumentalisiert werden, und ist

nur so einzusetzen, dass für ihn kein Schaden entsteht.

9. Der Hund sollte als Partner des Menschen, in enger Bindung zu diesem, angesehen

werden und in seiner Arbeit durch positive Motivation unterstützt werden.

Zur artgerechten Haltung sollte auch gehören, dass der Hund vor jedem

Arbeitsantritt eine Möglichkeit zum physischer und psychischer Ausgleich hat,

und somit seinem Hundeleben frönen kann, d.h. er hatte die Möglichkeit sich

bei einem ausreichenden Spaziergang zu lösen, zu schnüffeln, mit Artgenossen

zu spielen, sich auszutoben etc. Das Gleiche gilt für die Mittagspause und den

Feierabend.

10. Der Hund sollte an die gängigen Therapiegeräte und Therapiematerialien gewöhnt

sein, so dass er sich nicht erschreckt oder Angst hat. Meidet er nach

einer schlechten Erfahrung (z.B. Luftballon in den er hineingebissen hat und

der daraufhin geplatzt ist) diese Gegenstände sollte der Therapiebegleithundführer

den Hund durch langsame Desensibilisierung an diesen Gegenstand neu

heranführen.

11. Der Hund sollte regelmäßig eine Hundeschule oder andere vergleichbare Kurse

besuchen.

Während der Einsätze des Therapiebegleithundes

sollten folgende Dinge beachtet werden:

1. Der Einsatz des Therapiebegleithundteams richtet sich nach dem jeweiligen

Störungsbild des Patienten. Es sollte vor jeder Behandlung eine genaue Zielsetzung

in Bezug auf das Störungsbild des Einzelnen festgelegt; Fortschritte

können gemessen und dokumentiert werden. Der Hund ersetzt keinen Therapeut,

er kann er kann dessen Arbeit aber unterstützen, erweiteren, vertiefen

und qualifizieren.

2. Patienten, die noch unsicher im Umgang mit dem Therapiebegleithund sind,

werden langsam an ihn herangeführt, z.B. der Hund liegt auf seinem Platz im

Therapieraum und bewegt sich nicht davon weg.

3. Möchte ein Patient Kontakt zu dem Hund aufnehmen geschieht dies gemeinsam

mit dem Therapiebegleithundführer, z.B. ihn sich anschauen, nah an ihn herangehen,

ihn streichen.

4. Leckerli‘s oder sonstige Belohnungen für den Therapiebegleithund werden nur

nach vorheriger Absprache gegeben.

5. Es ist außerdem möglich, dass ein ausgebildetes, geprüftes Therapiebegleithundteam

einer anderen Berufsgruppe,

die zur Ausbildung zugelassen ist

(Pädagoge, Logopäde, Physiotherapeut),

in die Praxis kommt und die

Behandlung unterstützt. Dies findet

immer im Beisein, in Kooperation

und unter Anleitung des Logopäden

statt.

6. Die Verwendung von Photo und Filmaufnahmen

zu dokumentatorischen

Zwecken ist sinnvoll, sollte aber im

Vorfeld mit den betroffenen Personen

oder deren gesetzlichen Vertreter

schriftlich abgeklärt werden.