19.8.2017 : 18:33

Bevor der Therapiebegleithund zum Einsatz kommt

sollten folgende Punkte geregelt sein:

 

1. Das in der Pädagogik tätige Therapiebegleithundteam besteht aus einem Menschen

mit pädagogischer Berufsausbildung und seinem Hund, die zusammen

eine beim Berufsverband anerkannte Ausbildung zum Therapiebegleithundteam

absolviert haben. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Hund seinem

Wesen und Gehorsam nach für die Arbeit geeignet ist, dass beim Menschen das

theoretische Wissen vorhanden ist und dass der Hund in der Arbeit orientiert an

Förderzielen eingesetzt wird. Gegebenenfalls sollte eine Bescheinigung darüber

vorliegen, dass sich das Therapiebegleithundteam in Ausbildung befindet. Tiergestütztes

Arbeiten ist nur dem vom TBD anerkannten und geprüften Therapiebegleithundteam

erlaubt, da eine enge und vertrauensvolle Bindung zwischen

dem Menschen und seinem Hund die Grundlage dieser Arbeit ist.

2. Vor dem Einsatz des Hundes an einem neuen Arbeitsplatz, sollte eine adäquate

Eingewöhnung des Hundes stattfinden.

3. Das Einverständnis der Einrichtungsleitung zum Einsatz des Hundes muss vorliegen.

Es muß abgeklärt sein, dass alle Beteiligten (Vorgesetzte, Kollegen,

hauswirtschaftliche Mitarbeiter, Klienten, Eltern, Jugendämter...) über das Team

informiert, auf den Hund vorbereitet und mit dem Einsatz einverstanden sind.

Eine Einverständniserklärung des Klienten oder seines gesetzlichen Vertreters,

Betreuers oder nächsten Angehörigen sollte vorliegen. Je nach Einsatzort des

Hundes sollte bei Bewerbungsgesprächen von potentiellen Mitarbeitern und

Praktikanten oder Zivildienstleistenden darauf hingewiesen werden, dass eine

Hundehaarallergie oder Angst vor Hunden ein Grund sein kann nicht in der Praxis/

Abteilung zu arbeiten

4. Es muß abgeklärt werden, ob Allergien beim Klienten bekannt sind. Im Zweifelsfall

oder bei leichteren Allergien kann eine Unbedenklichkeitsbescheinigung

vom Hausarzt vorzulegen sein. Es muß abgeklärt werden, ob Ängste oder Phobien

bekannt sind.

5. Ein positiver Zugang vom Klienten zum Hund ist vorhanden. Wenn nicht, ist die

Bearbeitung der Angst oder Abneigung vor dem Hund Bestandteil des Therapiebegleithundeinsatzes.

6.Bei Klienten mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zum Beispiel einer

Immunschwäche sollte der Hund nur nach vorheriger Absprache eingesetzt

werden.

7. Die Tierhalterhaftpflicht und die Berufshaftpflicht sowie die Gemeindeunfallversicherung

muss darüber informiert sein, dass ein Therapiebegleithund mitgeführt

wird und hat den Einsatz schriftlich bestätigt.

8. Bei der Auswahl eines Hundes für die Arbeit ist darauf zu achten, dass dieser

vorraussichtlich Gesund, und von Charakter, Wesen und Fell für den geplanten

Einsatz geeignet ist. Der Hund sollte wenn möglich eine nachvollziebare gute

Sozialisation, und von Geburt an engen Kontakt zu Menschen gehabt haben. Es

ist darauf zu achten, dass der Hund bei guter Gesundheit ist und einen angemessenen

Ausgleich von der Arbeit hat. Besonders in Einrichtungen mit mehreren

Hunden ist abzuklären, ob läufige Hündinnen zum Arbeitseinsatz kommen

sollten.

9. Der Hund ist Eigentum eines Mitarbeiters der für artgerechte Haltung im Rahmen

des Tierschutzes, also das Wohlergehen des Hundes hauptverantwortlich

ist. Auf keinen Fall sollte der Hund Eigentum der Einrichtung sein.

10. Es sollten sowohl mit Mitarbeitern als auch mit Klienten, abhängig von Alter

und Entwicklungsstand, klare Regeln für den Umgang mit dem Hund besprochen

werden.

11. Da wo Hunde regelmäßig Arbeiten, könnten Schautafeln über die Arbeit mit

dem Hund informieren.

12. Die Kostenübernahme für alle evl. anfallenden Kosten sollte im Vorfeld geklärt

sein. Sichergestellt werden muß die Versorgung des Hundes auch über den Einsatz

als Therapiebegleithund hinaus.

13. Vor dem Einsatz des Hundes sollte ein

Termin festgelegt werden an dem eine

erste Evaluation stattfindet, die Erprobungsphase

endet und eine Diskussion

mit allen Beteiligten über den weitern

Einsatz geführt wird.

Fortlaufend sollten folgende Punkte immer   nachgewiesen werden können:

1.Arbeitet ein Hund in Einrichtungen der Jugendhilfe, sollte für Besucher sichtbar

das Zertifikat der bestandenen Therapiebegleithundprüfung aushängen. Jeder

Besucher, der den Hund noch nicht kennt, sollte die Möglichkeit haben, sich

eine beschriftete Fotowand anzuschauen. Diese stellt das Therapiebegleithundteam

im Einsatz vor. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einen Bildband über den

Einsatz anzulegen.

2. Kommt ein Klient neu in eine Einrichtung in der ein Therapiebegleithund arbeitet

oder kommt nach längerer Zeit wieder zurück in eine solche Gruppe sollte

sowohl mit dem Klienten als auch mit dessen gesetzlichen Vertreter die Anwesenheit

und der Einsatz des Hundes abgeklärt werden.

3. Die gesondert aufgeführten, möglichen Leitlinien im Bereich Hygiene werden

im Bezug auf Dokumentation zum Tier, Zugangsbeschränkungen für Tiere und

allgemeine Hygienemaßnahmen eingehalten.

4. Der Hund bekommt artgerechtes Futter und es stehen ihm ständig frisch gefüllte

Wassernäpfe in verschiedenen Räumen zur Verfügung.

5. Für den Hund wird ein Rückzugsort eingerichtet, an dem er nicht gestört werden

darf. Dies ist besonders bei Hunden zu beachten, die sich über mehrere Stunden

in der Einrichtung aufhalten. Aber auch

Hunden die nur punktuell zugegen sind,

sollte ein solcher Ort (Hundebox, Decke,

etc.) angeboten werden.

6. Der Hund ist nicht mit einem oder mehreren Klienten alleine. Ausnahmen hiervon

müssen mit den Beteiligten besprochen, pädagogisch begründet und am

Hilfeplanziel orientiert sein!

7. Zeigt der Hund Anzeichen von Erkrankungen (z.B. Infektionen) oder ist verhaltensauffällig,

d.h. er zeigt anderes Verhalten als üblich, wird er vorübergehend

nicht bei Klienten eingesetzt und es wird abgeklärt, worauf das Verhalten des

Hundes zurückgeführt werden könnte.

8. Jeder Einsatz des Therapiebegleithundes findet unter Beachtung des Tierschutzes

statt, d.h. auch, dass Stresssymptome oder Überforderung beim Hund beachtet

werden und entsprechend auf diese reagiert wird, dass Ruhephasen

beachtet werden, usw. Der Hund darf nicht instrumentalisiert werden, und ist

nur so einzusetzen, dass für ihn kein Schaden entsteht.

9. Der Hund sollte als Partner des Menschen, in enger Bindung zu diesem, angesehen

werden und in seiner Arbeit durch positive Motivation unterstützt werden.

Zur artgerechten Haltung sollte auch gehören, dass der Hund vor jedem

Arbeitsantritt eine Möglichkeit zum physischer und psychischer Ausgleich hat,

und somit seinem Hundeleben frönen kann, d.h. er hatte die Möglichkeit sich

bei einem ausreichenden Spaziergang zu lösen, zu schnüffeln, mit Artgenossen

zu spielen, sich auszutoben etc. Das Gleiche gilt für die Pausen und den Feierabend.

10. Der Hund sollte an die gängigen Therapiegeräte und Therapiematerialien und

Einrichtungsgegenstände in den Einrichtungen in denen er Arbeitet gewöhnt

sein, so dass er sich nicht erschreckt oder Angst hat. Meidet er nach einer

schlechten Erfahrung (z.B. Luftballon in den er hineingebissen hat und der daraufhin

geplatzt ist) diese Gegenstände sollte der Therapiebegleithundführer

den Hund durch langsame Desensibilisierung an diesen Gegenstand neu heranführen.

11. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Hund seinen Grundgehorsam nicht

verliert und er zusätzlich zu seinen therapeutischen oder pädagogischen Einsätzen

noch einen Ausgleich hat. Dies kann in

einer Hundeschule oder ähnlichen Kursen geschehen,

wenn der Hundeführer dies nicht alleine

sicherstellen kann.

    Während der Einsätze des Therapiebegleithundes  

          sollten folgende Dinge beachtet werden:      

1. Der Einsatz des Therapiebegleithundteams

ist an den Hilfeplanzielen des

jungen Menschen orientiert und ist

darauf ausgerichtet, zur Erreichung

dieser Ziele beizutragen. Der Einsatz

geschieht zur Unterstützung der therapeutischen

/pädagogischen Arbeit, für die der Teampartner Mensch ausgebildet

ist d.h. der Hund kann als eine Methode eingesetzt werden, um im Vorfeld

festgelegte therapeutische /pädagogische Ziele zu erreichen. Dies geschieht

zur Sicherung der Qualität der pädagogischen Arbeit, so dass nur qualifizierte

Arbeit von Fachleuten erbracht wird. Der Hund ersetzt keinen Pädagogen oder

Therapeut, er kann dessen Arbeit unterstützen, erweiteren, vertiefen und qualifizieren.

2. Klienten, die noch unsicher im Umgang mit dem Therapiebegleithund sind, werden

langsam an ihn herangeführt. Bei gruppenpädagogischen Angeboten sollten

die Klienten, die (noch) keinen positiven Zugang zum Hund haben, nicht

benachteiligt werden.

3. Möchte ein Klient Kontakt zum Hund aufnehmen sollten hierfür klare Regeln

abgesprochen werden. Die Schüler sollten wissen, wie sie in welcher Situation

Kontakt zum Hund aufnehmen können und sollten hierfür ggf. die Unterstützung

des Therapiebegleithundeführers erhalten.

4. Leckerli‘s oder sonstige Belohnungen für den Therapiebegleithund werden nur

nach vorheriger Absprache gegeben.

5. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen während

der Ausbildung und hinterher in der praktischen Arbeit und beim Austausch

innerhalb des Berufsverbandes ist wünschenswert.

6. Die Verwendung von Photo und Filmaufnahmen zu dokumentatorischen Zwecken

ist sinnvoll, sollte aber im Vorfeld mit den betroffenen Personen oder deren

gesetzlichen Vertreter schriftlich abgeklärt werden.

7. Es sollte eine sinnvolle und an den Bedürfnissen der Einrichtung orientierte

Evaluation stattfinden.