28.6.2017 : 19:34

Bevor der Therapiebegleithund zum Einsatz kommt

sollten folgende Punkte geregelt sein:

1. Das in der Medizin oder Psychologie tätige Therapiebegleithundteam besteht

aus einem Menschen mit medizinischer oder psychologischer Berufsausbildung

und Berufserfahrung und seinem Hund, die zusammen eine beim Berufsverband

anerkannte Ausbildung zum Therapiebegleithundteam absolviert haben

und nimmt je nach Prüfungsordnung an Nachkontrollen teil. Auf Berufserfahrung

kann nur in Ausnahmefällen verzichtet werden. Dadurch soll sichergestellt

werden, dass der Hund seinem Wesen und Gehorsam nach für die Arbeit

geeignet ist, dass beim Menschen das theoretische Wissen vorhanden ist und

dass der Hund in der Arbeit orientiert an Förderzielen eingesetzt wird. Gegebenenfalls

sollte eine Bescheinigung darüber vorliegen, dass sich das Therapiebegleithundteam

in der Ausbildung befindet. Tiergestütztes Arbeiten ist nur dem

vom TBD anerkannten und geprüften Therapiebegleithundteam erlaubt, da eine

enge und vertrauensvolle Bindung zwischen dem Menschen und seinem Hund

die Grundlage dieser Arbeit ist.

2. Vor dem Einsatz des Hundes an einem neuen Arbeitsplatz, sollte eine adäquate

Eingewöhnung des Hundes stattfinden.

3. Das schriftliche Einverständnis der Klinik- oder Praxisleitung und der Hygienebeauftragten

zum Einsatz des Hundes muss vorliegen. Es muß abgeklärt sein,

dass alle Beteiligten (Vorgesetzte, Kollegen, wirtschaftliche Mitarbeiter...) über

das Team informiert, auf den Hund vorbereitet und mit dem Einsatz einverstanden

sind. In den medizinischen Berufsgruppen, muss das zuständige Gesundheitsamt

über den Einsatz des Therapiebegleithundes informiert sein. Eine Aufklärung

und die Einverständniserklärung des Patienten oder seines gesetzlichen

Vertreters, Betreuers oder nächsten Angehörigen sollte vorliegen. In diesem

Kontext sollte auf das Therapieziel und die Risikoabschätzungen hingewiesen

werden. Je nach Einsatzort des Hundes sollte bei Bewerbungsgesprächen von

potentiellen Mitarbeitern und Praktikanten oder Zivildienstleistenden darauf

hingewiesen werden, dass eine Hundehaarallergie oder Angst vor Hunden ein

Grund sein kann nicht in der Praxis/ Abteilung zu arbeiten.

4. Es muß abgeklärt werden, ob Allergien beim Klienten bekannt sind. Gegebenenfalls

muß geklärt werden ob trotz dieser ein Einsatz des Hundes unbedenklich

ist. Es muß abgeklärt werden, ob Ängste oder Phobien bekannt sind.

5. Ein positiver Zugang vom Klienten zum Hund ist vorhanden. Wenn nicht, ist die

Bearbeitung der Angst oder Abneigung vor dem Hund Bestandteil des Therapiebegleithundeinsatzes.

6. Bei infektkranken oder keimbelasteten Patienten sollte der Hund nicht eingesetzt

werden. Bei anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen sollte der Nutzen

im Vrhältniss zum Risiko sorgsam abgewägt werden.

7. Die Tierhalterhaftpflicht und die Berufshaftpflicht sowie die Gemeindeunfallversicherung

muss darüber informiert sein, dass ein Therapiebegleithund mitgeführt

wird und sollte den Einsatz schriftlich bestätigt.

8. Bei der Auswahl eines Hundes für die Arbeit ist darauf zu achten, dass dieser

vorraussichtlich Gesund, und von Charakter, Wesen und Fell für den geplanten

Einsatz geeignet ist. Der Hund sollte wenn möglich eine nachvollziebare gute

Sozialisation, und von Geburt an engen Kontakt zu Menschen gehabt haben. Es

ist darauf zu achten, dass der Hund bei guter Gesundheit ist und einen angemessenen

Ausgleich von der Arbeit hat. Besonders in Einrichtungen mit mehreren

Hunden ist abzuklären, ob läufige Hündinnen zum Arbeitseinsatz kommen

sollten.

9. Der Hund ist Eigentum eines Mitarbeiters der für artgerechte Haltung im Rahmen

des Tierschutzes, also das Wohlergehen des Hundes hauptverantwortlich

ist. Auf keinen Fall sollte der Hund Eigentum der Praxis oder Klinik sein.

10. Es sollten sowohl mit Mitarbeitern als auch mit Patienten, abhängig von Alter

und Entwicklungsstand, klare Regeln für den Umgang mit dem Hund besprochen

werden und eine Anleitung im Umgang mit dem Tier erfolgen.

11. Im Wartezimmer oder in der Eingangshalle sollten Schautafeln oder anderes

Informationsmaterial über die Arbeit mit dem Hund informieren.

12. Die Kostenübernahme für alle evl. anfallenden Kosten sollte im Vorfeld geklärt

sein. Sichergestellt werden muß die

Versorgung des Hundes auch über

den Einsatz als Therapiebegleithund

hinaus.

13. Vor dem Einsatz des Hundes sollte

ein Termin festgelegt werden an dem

eine erste Evaluation stattfindet, die

Erprobungsphase endet und eine Diskussion

mit allen Beteiligten über den

weitern Einsatz geführt wird.

Fortlaufend sollten folgende Punkte immer

nachgewiesen werden können:

1. Das Therapiekonzept in das der Therapiebegleithund

eingebunden ist, ist abgestimmt auf die Bedürfnisse

der verschiedenen Einrichtungen. Im

Wartezimmer/ der Abteilung hängt das Zertifikat

der bestandenen Therapiebegleithundprüfung.

Jeder Patient, der den Hund noch nicht kennt,

sollte die Möglichkeit haben, sich z.B. im Wartezimmer

eine beschriftete Fotowand anzuschauen.

Diese stellt das Therapiebegleithundteam im

Einsatz vor (z.B. Parcours mit Kindern, Ablecken

von Leberwurst/ Frischkäse von Körperteilen

usw.). Zusätzlich besteht die Möglichkeit einen

Bildband über den Einsatz anzulegen. Dieser kann dann gemeinsam mit dem

Mediziner oder dem Psychologen angeschaut werden, um über die Arbeit mit

dem Therapiebegleithund aufzuklären

2. Bei jeder neuen Behandlungseinheit wird erneut abgefragt, ob es in Ordnung

ist, dass der Therapiebegleithund anwesend ist bzw. eingesetzt wird.

3. Die gesondert aufgeführten, möglichen Leitlinien im Bereich Hygiene werden

im Bezug auf Dokumentation zum Tier, Zugangsbeschränkungen für Tiere und

allgemeine Hygienemaßnahmen eingehalten.

4. Der Hund bekommt artgerechtes Futter und es stehen ihm ständig frisch gefüllte

Wassernäpfe in verschiedenen Räumen zur Verfügung. Das Füttern des

Hundes sollte durch den Hundehalter oder unter dessen Aufsicht erfolgen.

5. Für den Hund wird ein Rückzugsort eingerichtet, an dem er nicht gestört werden

darf. Dies ist besonders bei Hunden zu beachten, die sich über mehrere

Stunden in einer Institution oder anderen Einrichtung aufhalten. Aber auch

Hunden die nur punktuell zugegen sind, sollte ein solcher Ort (Hundebox, Decke,

etc.) angeboten werden.

6. Jeder Einsatz des Therapiebegleithundes in der Behandlung des Patienten erfolgt

nur in der Anwesenheit des Hundehalters. Der Hund befindet sich nie ohne

Aufsicht seines Teampartners zusammen mit einem Patinten, auch nicht für

ganz kurze Zeit. Therapiestunden können bei entsprechender Indikation(z.B.

Motivation zur Bewegung) oder auf Wunsch des Patienten auch im Freien stattfinden

(z. B. Spaziergang, Parcour).

7. Zeigt der Hund Anzeichen von Erkrankungen (z.B. Infektionen) oder ist verhaltensauffällig,

d.h. er zeigt anderes Verhalten als üblich, wird er vorübergehend

nicht bei Patienten oder Klienten eingesetzt und es wird abgeklärt, worauf das

Verhalten des Hundes zurückgeführt werden könnte.

8. Jeder Einsatz des Therapiebegleithundes findet unter Beachtung des Tierschutzes

statt, d.h. auch, dass Stresssymptome oder Überforderung beim Hund beachtet

werden und entsprechend auf diese reagiert wird, dass Ruhephasen

beachtet werden, der Hund durch den Hundehalter oder unter dessen Aufsicht

in ausreichendem Maße ausgführt wird, usw. Der Hund darf nicht instrumentalisiert

werden, und ist nur so einzusetzen, dass für ihn kein Schaden entsteht.

9. Der Hund sollte als Partner des Menschen, in enger Bindung zu diesem, angesehen

werden und in seiner Arbeit durch positive Motivation unterstützt werden.

Zur artgerechten Haltung sollte auch gehören, dass der Hund vor jedem

Arbeitsantritt eine Möglichkeit zum physischer und psychischer Ausgleich hat,

und somit seinem Hundeleben frönen kann, d.h. er hatte die Möglichkeit sich

bei einem ausreichenden Spaziergang zu lösen, zu schnüffeln, mit Artgenossen

zu spielen, sich auszutoben etc. Das Gleiche gilt für die Mittagspause und den

Feierabend.

10. Der Hund sollte an die gängigen Therapiegeräte und Therapiematerialien gewöhnt

sein, so dass er sich nicht erschreckt oder Angst hat. Meidet er nach

einer schlechten Erfahrung (z.B. Luftballon in den er hineingebissen hat und

der daraufhin geplatzt ist) diese Gegenstände sollte der Therapiebegleithundführer

den Hund durch langsame Desensibilisierung an diesen Gegenstand neu

heranführen.

11. Der Hund sollte regelmäßig eine Hundeschule oder andere vergleichbare Kurse

besuchen.

Während der Einsätze des Therapiebegleithundes

sollten folgende Dinge beachtet werden:

1. Der Einsatz des Therapiebegleithundteams richtet sich nach dem jeweiligen

Störungsbild des Patienten. Es sollte vor jeder Behandlung eine individuelle

Zielsetzung in Bezug auf das Störungsbild des Einzelnen festgelegt werden;

Fortschritte können gemessen und dokumentiert werden. Der Hund ersetzt keinen

Mediziner oder Psychologen, er kann dessen Arbeit aber unterstützen, erweiteren,

vertiefen und qualifizieren. Es ist möglich den Hund in der Diagnostik,

Beratung und Therapie einzusetzen. Der Hund sollte bei solchen Patienten

eingesetzt werden, die dieses wünschen und / oder bei deren Störungsbild der

Einsatz sinnvoll erscheint.

2. Patienten, die noch unsicher im Umgang mit dem Therapiebegleithund sind,

werden langsam an ihn herangeführt, z.B. der Hund liegt auf seinem Platz im

Therapieraum und bewegt sich nicht davon weg.

3. Möchte ein Patient Kontakt zu dem Hund aufnehmen geschieht dies gemeinsam

mit dem Therapiebegleithundführer, z.B. ihn sich anschauen, nah an ihn herangehen,

ihn streichen.

4. Leckerli‘s oder sonstige Belohnungen für den Therapiebegleithund werden nur

nach vorheriger Absprache gegeben.

5. Es ist außerdem möglich, dass ein ausgebildetes, geprüftes Therapiebegleithundteam

einer anderen Berufsgruppe, die zur Ausbildung zugelassen ist, in

die Praxis oder Abteilung kommt und die Behandlung unterstützt.

6. Die Verwendung von Photo und Filmaufnahmen zu dokumentatorischen Zwecken

ist sinnvoll, sollte aber im Vorfeld mit den betroffenen Personen oder deren

gesetzlichen Vertreter schriftlich abgeklärt werden.

7. Zur Basisdokumentation über den Behandlungsverlauf sollte durch den Arzt

oder Psychologen in der Patientenakte erfolgen. Mitarbeiter können hier Verhaltensänderungen

im Alltag dokumentieren. Es könnte des weiteren eine Dokumentation

der Beobachtungen vom Patienten Selbst oder von Angehörigen

erfolgen.

8. Es sollten geeignete Kriterien zur Evaluation des Therapieverlaufes gefunden

werden. Dies könnten unter anderem sein: Erfassung von Blutdruck, Puls, Gelenkbeweglichkeit,

Laborwerten (z.B. Blutzucker, Fettwerte), Medikamentendosis;

Durchführung psychologischer Tests (Fragebogen zu Depression, Lebensqualität

usw.); Durchführung wissenschaftlicher Studien.